"Die Friese" ist ein selbstverwaltetes Jugend- und Jugendkulturzentrum im Herzen Bremens

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Neben Konzertort, Jugendcafé, Übungsraum und vielem mehr ist die Friese auch Heimat vieler selbstorganisierter Gruppen, die sich hier treffen oder auch direkt Projekte umsetzen.

 

Träger der Hauses ist der eigens hierfür gegründete Verein "Die Friese e.V.". Finanziert wird der Betrieb der Friese aus Mitteln der Jugendhilfe im Rahmen des Bremer Anpassungskonzeptes zur Jugendförderung.

 

Wer wir sind und was wir wollen

Zur Geschichte des Jugendzentrums Friesenstraße

 

Die Friese e.V. stellt sich vor:
Das Jugendzentrum Friesenstrasse gibt es seit mehr als 25 Jahren und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass das Haus eine sehr bewegte Geschichte hat. Mit über 200 Konzerten mit Bands aus aller Welt, verschiedensten Veranstaltungen, vielen probenden Bands (im Schnitt sind es 20 pro Woche), unzähligen Plattenaufnahmen etc, kann man in der „Jugendkulturszene“ nicht an der Friese vorbeischauen. Aber um zu verstehen, warum die Friese jetzt so ist, wie sie ist und was der Verein damit zu tun hat, muss man ein bisschen in der neueren Geschichte graben.

 

Um nicht ganz beim Urschleim anzufangen, starten wir unseren Rückblick im Jahre 2002. Dieses gipfelte mit der Besetzung des Hauses, als wieder einmal unklar war, ob eine Sozialarbeiterstelle (jawohl …die Friese war und ist ein JUGENDzentrum) wiederbelegt wird oder nicht. Vorausgegangen war die Versetzung eines Mitarbeiters. Der zweite Sozialarbeiter musste monatelang alleine die Einrichtung führen. Leider mit der Folge einer extremen Überbelastung, die zu seinem Ausscheiden aus dem Freizibetrieb führte. (Sehr zum Bedauern der Jugendlichen, die ihn als Fürsprecher ihrer Interessen sehr geschätzt haben)
So standen die Nutzer/innen monatelang ohne Sozialarbeiter/in da und somit auch vor der Wahl verschlossene Türen zu akzeptieren oder den Betrieb in Eigenregie weiterzuführen. Eigeninitiative war in dem Fall gefragt und die Besetzung zeigte, dass man auf dem richtigen Weg war für den Erhalt des Hauses zu kämpfen.

 

2003 wurde beschlossen, einen Förderverein zum Erhalt und Ausbau der Friesenstrasse zu gründen, der von jugendlichen Nutzer/innengruppen und ehrenamtlichen Helfer/innen geführt und organisiert wird. Zu den Jugendlichen gesellte sich eine bunte Schar von Förderern, wie z.B. ältere Nutzer/innen, die in der Friese aufgewachsen sind und Sozialarbeitern, die u.a. ehrenamtlich Programmgestaltung übernahmen. Der Verein begann inzwischen ein eigenes Programm auf die Beine zu stellen. Es gab (na klar) nach wie vor Konzerte, aber inzwischen auch ein ständiges Wochenprogramm mit Musiker/innencafè, Mädchennachmittage, Vokü, Vorträgen, Kickerturnieren, PA-Workshops und vielem mehr. Die Bands fanden sich zusammen, um von ihren Geld Verstärker und ähnliches für den Proberaumbetrieb zu kaufen und die Hälfte der Musikanlage zur Durchführung von Konzerten wurde im Lauf der Zeit selbst finanziert.
Das Ganze passierte ehrenamtlich, mit Spaß an der Sache und aus der Motivation heraus über die von uns genutzten Räume auch bestimmen zu können und sie für alle Interessierten öffentlich zu machen. Es gab in diesem Zusammenhang im Verein viele Diskussionen und Spekulationen über die Zukunft der Friese, über unsere Erwartungen und Vorstellungen zum Sinn und Zweck unserer Arbeit und auf der anderen Seite über die Realitäten der Bremer Jugend- und Kulturpolitik mit gnadenlosen Kürzungen in allen Bereichen. Alles in allem war es eine sehr unsichere Zeit für das Haus und die Leute, denen es am Herzen lag.

 

So war auch niemand wirklich verwundert (eher entsetzt) als die schon Ende 2003 anklingende Option der „wirtschaftlicheren Betreibungsmodelle“ für Bremens Jugendfreizeitheime im Zuge besagter Kürzungen im Stadtteiletat Wirklichkeit wurden. Wir erfuhren nach und nach aus Buschtrommeln und Zeitungen, dass die Friese als erstes Modellprojekt für die Privatisierung sämtlicher Bremer Freizis auserkoren wurde, sozusagen als Übungspark und Testgelände.

 

Privatisierung bedeutet in dem Fall die Ausgliederung aus der städtischen Verantwortung. Kürzungen können und sollen somit nun jederzeit durchführbar sein, Jugendarbeit wird auf Wirtschaftlichkeit reduziert (Beispiel: Wieviel Geld muss selbst erwirtschaftet werden, damit sich das Haus trotz aller Kosten finanzieren kann und wer soll das bezahlen…? Die Jugendlichen? Der Weihnachtsmann?). Desweiteren und nicht zu vergessen sei, dass mit einem beliebig eingesetzten Träger auch die Möglichkeiten zur Mitbestimmung und Mitgestaltung der Friese durch die Nutzer/innen den Bach runtergegangen wäre.

 

Die Entscheidung über unseren Umgang mit der drohenden Privatisierung wurde zum heftig diskutierten Dauerthema auf den immer öfter stattfindenden Vereinstreffen.

 

  1. Geben wir auf und sagen das war’s, sehen wir zu, wie die Friese ein kommerzieller Laden wird, der sich durch nichts mehr von anderen Freizeiteinrichtungen unterscheidet und an unseren Realitäten vorbeigeht ode
  2. versuchen wir das Unmögliche zu schaffen, indem wir viele Leute mobilisieren, um für den Erhalt des Hauses innerhalb unserer Strukturen zu kämpfen? Welche Möglichkeiten haben wir, wieviel Zeit, wieviel Energie, wieviel Unterstützung? Und was passiert danach? Welche Kompromisse sind wir bereit in Kauf zu nehmen, welche nicht?

 

Fakt war, dass wir uns die Friese nicht einfach so aus der Hand nehmen lassen wollten, deshalb entschieden wir uns auch einhellig für Alternative zwei.
Mit vielfältigen Aktionen versuchten wir nun auf der Strasse, in der Presse und auf einschlägigen Ausschusssitzungen auf unsere Belange aufmerksam zu machen.

 

„Wenn schon Abgabe, dann nur an die Nutzer/innen selbst“

Es wurde ein Konzept erstellt, mit dem wir uns ebenfalls als Trägerverein für (unser) Haus
bewarben und in dem unsere Inhalte, wie Selbstorganisation, Mitbestimmung und -gestaltung auf der einen Seite, aber auch Jugendarbeit und –betreuung auf der anderen Seite verankert wurden.

 

Vom 12.-15.10.04 veranstalteten wir A(u)ktionstage, mit denen wir gegen den bevorstehenden „Ausverkauf“ der Friese protestierten. In dieser Zeit erfuhren wir ein großes Maß an Unterstützung, Mithilfe und Solidarität von verschiedensten Gruppen und Leuten.

 

Die Deputation der Stadt entschied sich dann am 4. November 2004 für das beste (nämlich unser) Konzept und so bekamen wir den Zuschlag für die Übernahme des Freizis in freie Trägerschaft. (Ja… wir haben schwer gefeiert)

 

Doch das ist noch lange nicht das Ende vom Lied

 

Der Übernahmetermin war ursprünglich auf den 01.01.05 veranschlagt worden. Aber da die Stadt von ihren eigenen Idee der Privatisierung überrollt wurde und innerhalb der zuständigen Behörden „niemand nichts genaues wusste“, standen wir am Jahresbeginn ohne Verträge und Finanzierungskonzept da. Das uns mündlich zugesicherte Budget sollte, laut Sozialressort, aufgrund der aktuellen Sparbeschlüsse drastisch gekürzt werden (öfter mal was neues), so dass eine Umsetzung unseres Konzeptes (inkl. der Jugendarbeit) finanziell nicht mehr möglich gewesen wäre. Dieses Tauziehen um Ungereimtheiten ging schließlich soweit, dass wir Anfang April 2005 das Haus schlossen und das Modell der Privatisierung als gescheitert befanden, bis die Lage entgültig geklärt ist.

 

Am 01.05.2005 war es dann doch soweit. Nach langen und zähen Verhandlungen mit der Stadt und heißen Debatten innerhalb des Vereins, wurden die nachgebesserten Verträge unterschrieben und die Arbeit konnte endlich aufgenommen werden. Dabei entschieden wir uns für folgende Struktur: Die Jugendarbeit soll mit 2 halben Stellen besetzt werden und das Café in der ersten Etage nutzen. Es gibt eine Geschäftsführung, die sich mit den verwaltungstechnischen Belangen befasst und natürlich auch weiterhin den ausschlaggebenden Hausrat, bei dem sich Nutzer/innengruppen, Jugendliche, Konzertveranstalter/innen und alle Vereinsmitglieder einbringen können, um über Hausangelegenheiten zu entscheiden.

 

Der Aufbau der Jugendcafés stellte uns dann wieder vor ganz neue Herausforderungen. Da in den letzten Jahren praktisch kaum Jugendarbeit geleistet wurde und die letzten beschäftigten Sozialarbeiter/innen dies scheinbar nicht als ihre Aufgabe betrachteten, musste wieder bei Punkt Null angefangen werden. Dabei entschied auch hier wiederum der Hausrat über Neueinstellung und Auswahlkriterien der zukünftigen SozPäds (Für uns ein ganz neues Pflaster, da wir jahrelang mit den uns zugewiesenen Sozialarbeiter/innen leben mussten, ohne auch nur einen Funken von Mitspracherecht wahrnehmen zu können)

 

Mittlerweile sind die Räume des Jugendcafés mit Leben gefüllt und die Friese wird nach und nach zum Anlaufpunkt und Treff für Kids im Stadtteil. Das Internetcafé, was komplett durch Spenden finanziert wurde, erfreut sich größter Beliebtheit und an diversen Projekten (Klangforscher…) wird begeistert getüftelt.

 

Der Saal in der unteren Etage steht weiterhin als Veranstaltungsraum für alle offen, die Proberäume bleiben bezahlbar, die Fahrradwerkstatt, der Medienpool (Audio- und Videoschnittplätze und bald auch mehr), das Fotolabor, das Archiv etc können kostenlos genutzt werden.

 

Die Friese (Text von ca. 12/2005)